 |
|
 |
Keramik
Das wichtigste Fundmaterial für den Archäologen…
… aufgrund der Menge
Bei jeder Grabung kommen hunderte, ja Tausende von Scherben zu Tage. Die Ausgrabung des Palastes von Derrière la Tour, die eine Fläche von ca. 7000 m2 umfasste, erbrachte 80.000 Scherben, was ungefähr 20.000 Gefässen entspricht.
… als Datierungsgrundlage für weitere Funde
Keramik ist in mehrfacher Hinsicht eine der zuverlässigsten Datierungshilfen. Sie ist im Prinzip unvergänglich und wird meist in gutem Erhaltungszustand gefunden; auch nach Tausenden von Jahren unter der Erde weist sie kaum Veränderungen auf.
Keramik ist dem jeweiligen Geschmack der Zeit unterworfen. Sie ist leicht zerbrechlich und muss dementsprechend häufig ersetzt werden. Die fortschreitende Veränderung der Formen und der Dekors ist leicht nachvollziehbar. Ausserdem wurde Keramik im Gegensatz zu Glas- oder Metallgefässen nicht rezykliert.
… aufgrund der vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten
Keramik gibt Aufschluss über verschiedenste Bereiche des täglichen Lebens: über die Ernährungsgewohnheiten (Küchen- und Tafelgeschirr), über das Lagern von Nahrungsmitteln (Vorratsgefässe) und ihren Transport(Amphoren), über die Beleuchtung (Lampen), über Kosmetik und Körperpflege (Parfümfläschchen und Salbgefässe), über das Schreiben (Tintenfass), über das Handwerk (Farbtöpfe, Schmelztiegel, Model und sonstige Arbeitsmaterialien von Töpfern), über Spiele und Spielzeug (Spielsteine, Puppen, kleine Tiere), über schliesslich über das Bauwesen (Ziegel, Wasserleitungen, Feuerstellen, Böden).
Ein wichtiger Beitrag zur Regionalgeschichte
Keramik liefert Hinweise über Handelsbeziehungen einerseits durch die Untersuchung der Importkeramik und andererseits der Amphoren, die als "Verpackung" zum Transport von Nahrungsmitteln (Olivenöl, Wein, exotische Früchte und Fischsaucen) aus dem gesamten Mittelmeerraum (Italien, Griechenland, Nordafrika und dem Vorderen Orient) eingesetzt wurden.
Die Analyse der lokal hergestellten Keramik informiert uns über den Bedarf der einheimischen Bevölkerung, über Modeerscheinungen und den technologischen Standart. Keramik gibt Aufschluss über die Kochweisen, die Tischsitten, über Hygiene und Körperpflege, über die Art der Beleuchtung sowie über die verschiedensten Bereiche des Alltagslebens (Spardosen, Tintenfässer, usw.).
Manchmal überliefert sie auch die Namen der Töpfer, die sie hergestellt haben oder die der Töpfereibesitzer. Durch die auf einigen Gefässen erhaltenen Graffiti haben wir Kenntnis von ihrem Inhalt, von den Schriftarten sowie von den ehemaligen Bewohnern der Fundstätten, die ihr Geschirr mit ihrem Namen versehen haben.
Die Untersuchung von Formen und Dekors macht sowohl die regionalen Vorlieben und Besonderheiten als auch die verschiedenen von aussen kommenden Einflüsse deutlich.
.
|
  |