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Ein typisches römisches Haus
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Wohnen in der Stadt
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1. Stock
 
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Wohnen in der stadt

Die Einwohner von Aventicum, grösstenteils Helvetier, waren stark von der römischen Lebensweise beeinflusst. Dies lässt sich bereits sehr früh in allen Bereichen des alltäglichen Lebens feststellen und mit zunehmender Tendenz vor allem ab der Mitte des 1. Jhs. n. Chr. Diese Vorliebe der einheimischen Bevölkerung für den römischen Stil schlägt sich in den Häusern, der Bauweise, der Innen- und Aussenausstattung sowie in den Gärten nieder.

Die Stadtviertel
Aventicum ist wie alle römischen Städte in gleichgrosse, aus Wohnhäusern bestehende Quartiere aufgeteilt, die in ein System sich rechtwinklig kreuzender Strassen eingebunden sind
(1). Jedes Quartier besteht aus ca. 40 Häuserblöcken (insulae) mit einer durchschnittlichen Grundfläche von 110 x 75 m. Zwei Hauptstrassenachsen, der cardo und der decumanus, verlaufen rechtwinklig zueinander von Nord nach Süd und von Ost nach West. An ihrer Schnittstelle liegt das Forum, das politische und religiöse Zentrum der Stadt.
Die genaue Bevölkerungsdichte in den einzelnen insulae ist zwar nur sehr schwer zu bestimmen, man schätzt jedoch, dass im antiken Aventicum um die 20 000 Einwohner lebten. Eine insula umfasste normalerweise zwei bis vier Häuser, nur selten erstreckte sich ein einziges Gebäude über die gesamte Fläche.

Die Häuser
Zunächst bestanden die Häuser aus Holzfachwerk und Lehmziegeln. Auf Ecksteinen ruhende Schwellbalken bildeten das Fundament, das Dach war mit pflanzlichen Materialien bedeckt.
Um die Mitte des ersten Jahrhunderts kommen die ersten Häuser römischer Bauweise auf, deren Fundamente typischerweise aus Stein waren, die Dächer waren mit Ziegeln gedeckt, die Lehmwände wurden mit einem farbigen oder einem Verputz aus Kalk überzogen.
Mit der Erlangung des Status einer Kolonie in den siebziger Jahren n. Chr. wird in Aventicum die massive Steinbauweise allgemein üblich, ohne jedoch die einheimische Bauweise vollständig zu verdrängen. Die Grösse der Wohnhäuser, ihr Komfort, die Dekoration sowie die Möblierung hingen vor allem vom Wohlstand des Besitzers ab. Die einfacheren Häuser von Aventicum sind bisher nur wenig erforscht, da sie noch nie in ihrer Gesamtheit ausgegraben wurden. Die meisten waren sicherlich sehr eng, bestanden nur aus einer Küche und vielleicht noch einem Laden zur Strasse, möglicherweise gab es daneben noch eine Werkstatt und in einem zweiten Geschoss Schlafzimmer. In den Hinterhöfen konnte noch ein Gemüsegarten angelegt sein.
Wie viele Personen in einem Haus wohnten, ist schwierig zu bestimmen. E ist jedoch zu vermuten, dass mehrere, mindestens drei, Generationen unter einem Dach zusammenlebten: Grosseltern, Eltern, Kinder, Onkel und Tanten und natürlich auch das Gesinde.

Rekonstruktion des "weissen Zimmers" und seiner Wanddekoration
(2)
Freskomaler eines Ateliers des 3. Jh. n.Chr. bei der Arbeit: Rechts spachtelt ein Arbeiter die unteren Mörtelschichten an die Wand, links trägt ein Maler die Farben auf. Die Farben wurden auf die letzte und feinste, noch feuchte Mörtelschicht aufgetragen (Fresko-Malerei). Der Malermeister bespricht mit dem Hausherr die Dekoration; dieser ist in eine Toga gehüllt, ein Privileg des römischen Bürgers.
Dieser Raum in einem Privathaus der insula 10 wurde mittels eines Hypokaustes (Fussbodenheizung) beheizt.
Massstab 1:10.

Rekonstruktion der Wandmalerei des "weissen Zimmers"
Die meisten Häuser von Aventicum waren im Inneren mit ganz einfachen oder etwas aufwendigeren Malereien versehen, je nach Funktion der Räume und dem Geldbeutel des Hauseigentümers.
Diese Malereien schmückten einen durch ein Hypokaust beheizten Raum eines Wohnhauses. Aufgrund der eingeschränkten Möglichkeiten im Museumsgebäude konn hier nicht die gesamte Raumhöhe von 3,75 m in der Rekonstruktion aufgebaut werden, sondern nur die Wanddekoration des oberen Raumteiles. Unberücksichtigt blieb die Sockelzone, die einst 1,60 m hoch war.
Auf der Rückseite der Mörtelfragmente sind noch die Abdrücke vom Heizsystem in den Wänden sowie von der Verschalung des Deckengewölbes zu erkennen.
Oberhalb des bogenförmigen Fensters befindet sich eine Darstellung des schwebenden Paares Amor und Psyche. Auf den beiden Längsseiten des Raumes waren in Form von weiblichen Porträts die Personifikation der Jahreszeiten wiedergegeben; zu sehen sind der Frühling und der Sommer, dazwischen ein Stillleben mit Birnen und einem Apfel, Attribute des Sommers. Im Deckengewölbe befinden sich eine weiblichen Figur mit Fackel, die inmitten eines über ausgestreuten Rosen gebreiteten Sonnensegels dargestellt ist; die weiteren Stillleben zeigen links eine spezielle Zitronenart, rechts einen Granatapfel und Feigen.
Aufgrund stilistischer und maltechnischer Kriterien wie auch des archäologischen Befunds ist diese Wanddekoration in das erste Drittel des 3. Jahrhunderts n.Chr. zu datieren und zeugt von einem wohlhabenden Hauseigentümer.


           
 
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