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Die einheimischen Götter
(Vitrinen 23-24)
Die keltische Religion war ebenso polytheistisch wie die römische. Da wir jedoch über keine keltischen religiösen Texte verfügen, müssen wir uns mit den Ausführungen von Julius Caesar in seinem Gallischen Krieg (Buch VI 17) begnügen, in denen er die wichtigsten fünf Götter der Gallier aufzählt und kurz beschreibt. Dabei verlieh er ihnen die Namen der römischen Götter, die ihm hinsichtlich ihrer Eigenschaften am besten vergleichbar erschienen: Merkur, Apollo, Mars, Iuppiter und Minerva.
Daneben gab es jedoch zahlreiche weitere keltische Gottheiten, die auch noch nach der Romanisierung verehrt wurden. Zum Teil kennen wir ihre Namen oder Wirkungsbereiche nicht (Vitrine 23, Nr. 3). Einige finden sich im gesamten von den Römern beherrschten keltischen Raum, wie Sucellus (Vitrine 23, Nr. 16), Epona (Vitrine 23, Nr. 8-9) oder Lug (Inschriftenkatalog Nr. 2); andere wiederum waren offenbar lokale Gottheiten, wie Anechtlomara (Vitrine 23, Nr. 1) oder Aventia, die die namengebende Göttin von Aventicum ist (Vitrine 2).
Unter den Römern herrschte weitestgehend Religionsfreiheit, lediglich der Kaiserkult war den Provinzen auferlegt; er diente in erster Hinsicht dazu, die Loyalität gegenüber Rom zu demonstrieren.
Anechtlomara (Vitrine 23, Nr. 1) bedeutet: die grosse Beschützerin. Sie steht den Gottheiten des Wohlstands und Reichtums nahe (Vitrine 23, Nr. 10-11 und 13-14).
Der hilfreiche Geist im Kapuzenmantel (genius cucullatus) (Vitrine 23, Nr. 2) trägt ein typisch keltisches Gewand. Sein Wirkungsbereich liegt vor allem in der Fruchtbarkeit und Heilkunst; er geleitet auch die Toten ins Jenseits.
Epona (Vitrine 23, Nr. 8-9), die Göttin der Pferde erfreute sich grösster Beliebtheit bei Reitern und vor allem bei Soldaten. Man kann sie mit keiner römischen Gottheit in Verbindung bringen. Sie wird immer als Amazone auf dem Pferd dargestellt.
Weibliche Gottheiten der Fruchtbarkeit und des Wohlstands: Sie werden ganz unterschiedlich dargestellt. Es gibt den Typus der nackten jungen Frau, deren Darstellungsweise jener der Venus entspricht (Vitrine 23, Nr. 10-11), und den Typus der reifen Frau mit Füllhorn, in Anlehnung an die Darstellungen der Göttin Fortuna (Vitrine 23, Nr. 13); diese Gottheit kann auch als Mutter oder Amme mit einem säugenden Kind an der Brust erscheinen (Vitrine 23, Nr. 14).
Der dreigehörnte Stier (Vitrine 23, Nr. 12) ist in Gallien weit verbreitet. In ihm kommt durch das dritte Horn die Kraft der Fruchtbarkeit symbolisch zum Ausdruck.
Sucellus (Vitrine 23, Nr. 16), "der gute Hämmerer", hält in der einen Hand einen Hammer und in der anderen ein Gefäss; neben ihm steht ein Hund. Einige Darstellungen zeigen ihn darüberhinaus noch mit einer Tonne oder Amphore. Sucellus ist der Gott der Wälder und wird in einigen Gegenden mit Silvanus gleichgesetzt. Er war aber offenbar auch der Schutzgott der Handwerker.
Vitrine 23
1. Weihinschrift für die keltische Gottheit Anechtlomara (1). Die Verwendung des griechischen Buchstabens X weist auf den keltischen Ursprung dieses Namens hin.
Anechtlomarae/et Aug(usto)/Public(ius) Aunus.
Der Anechtlomara und dem Kaiser. Publicius Aunus (liess dieses Denkmal errichten).
Kalkstein. 1.-3. Jh. n. Chr.
Inschriftenkatalog Nr. 25.
2. Kalksteinkopf des Genius cucullatus mit der Kapuze.
3. Bronzebüste einer einheimischen Gottheit.
2. -3. Jh. n. Chr.
4-5. Votivbeilchen aus Eisen (2).
6. Votivbeilchen aus Eisen mit eingraviertem X.
7. Votivbeilchen aus Bronze mit eingraviertem D.
8. Bronzepferd. Es trägt ein Amulett um den Hals, das wahrscheinlich auf eine Verbindung auf die Göttin Epona hinweist.
9. Terrakottastatuette der Göttin Epona auf dem
Pferd (3); die Göttin ist beidseitig spiegelbildlich wiedergegeben.
10-11. Weibliche Gottheiten im Typus der Venus. Statuetten aus hellem Ton.
12. Dreigehörnter Stier aus Bronze.
1.-2. Jh. n. Chr.
13. Gottheit des Reichtums, mit der Göttin Fortuna gleichgesetzt. Bronzestatuette.
14. Muttergottheit. Statuette aus hellem Ton.
15. Stier und Genius aus Kalkstein.
16. Libationsszene wahrscheinlich zu Ehren des Gottes Sucellus. Die aufrecht stehende Figur trägt den torques um den Hals, einen typisch keltischen Schmuck, und hält eine Schale in der Hand. Zu seinen Füssen kauert ein Hund. Eine weitere, knieende Figur hält ein Fässchen und einen Eimer fest an sich gedrückt. Kalkstein
Vitrine 24
Votivdepot mit ca. hundertzwanzig Tonobjekten (Krüge, Kelche, Ständer und Lampen) (4) und einem Steinaltärchen, das eine Weihinschrift an Mercurius Cissonius trägt.
Deo/Mercur(io) Cisso(nio)) L(ucius) C/Patern(us)/ ex voto.
Dem Mercurius Cissonius. Lucius G. Paternus (liess dieses Denkmal errichten) aufgrund eines Gelübdes.
Inschriftenkatalog Nr. 26.
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