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Sprache und Schrift
(Vitrine 6)

Die Helvetier sprachen Keltisch. Je nach Region benutzten sie sehr wahrscheinlich unterschiedliche lokale Dialekte. Es handelt sich im wesentlichen um eine gesprochene Sprache.

Schriftliche Zeugnisse sind selten und geben uns nur wenig Aufschluss über die keltische Kultur. Die Kelten benutzten ursprünglich das griechische Alphabet. Mit der Ankunft der Römer wurde eine neue Sprache, Latein, eingeführt, die je nach Dichte der lateinsprechenden Bevölkerung von den Einheimischen verstanden und auch übernommen wurde.

Aus Aventicum sind keine Inschriften in keltischer Sprache bekannt. Was man manchmal findet, sind keltische Namen, die in einer Mischung aus griechischem und lateinischem Alphabet geschrieben sind (Vitrine 6, Nr. 9, Vitrine 23, Nr. 1).

Es ist anzunehmen, dass seit dem 1. Jahrhundert n. Chr. die Einwohner von Aventicum Latein verstanden. Dies belegen Grab-, Ehren- und Weihinschriften sowie Graffiti, die damals in alle möglichen Schreibunterlagen eingeritzt wurden.

Zum Schreiben verwendete man einen Griffel (stilus) (Vitrine 6, Nr. 19-21). Mit dem zugespitzten Ende ritzte man die Schriftzeichen in eine auf Holztäfelchen aufgetragene Wachsschicht ein, mit dem anderen, spatelförmigem Ende konnte man das Geschriebene löschen, indem man die Wachsschicht wieder glättete. Man konnte auch mehrere Täfelchen mittels einer Schnur zusammenbinden (Vitrine 6, Nr. 18).

Auf Papyrus oder Pergament schrieb man mit dem calamus, einer Rohrfeder mit zugespitztem Ende, das man in das Tintenfass (atramentarium) tauchte. Dieses war aus Glas (Vitrine 6, Nr. 10), Ton (Vitrine 6, Nr. 11) oder Bronze. Die Tinte, die vor dem Gebrauch mit Wasser vermischt wurde, stammte vom Tintenfisch, wurde aus Weinhefe gewonnen oder bestand aus einer Mischung aus Russ mit Harz.
Ein Buch (volumen) bestand aus mehreren zusammengeklebten Papyrus- oder Pergamentstreifen, die dann um einen Holzstab aufgerollt wurden (Vitrine 6, Nr. 1).

Für in Stein gemeisselte Inschriften sowie für die Stempelinschriften auf Mörsern (Vitrine 6, Nr. 8), Vasen (Vitrine 6, Nr. 9), Amphoren, Ziegeln oder Metallgegenständen verwendete man die Kapitalschrift.

Ritzinschriften (Graffiti) (Vitrine 6, Nr. 2-3) oder Pinselaufschriften (Vitrine 6, Nr. 4-5) wurden im allgemeinen in Kursivschrift (mit Kleinbuchstaben) geschrieben, die man auch im alltäglichen Briefverkehr benutzte. Oft findet man auch Graffiti in Kapitalschrift (Vitrine 6, Nr. 6-7).

In Siegelkapseln verwahrte man die Stempelsiegel zum Verschliessen von Schreibtäfelchen oder kleinen Päckchen. Zum Stempeln drückte man die vertiefte, negativ eingravierte Platte eines Siegelrings in Wachs (Vitrine 6, Nr. 17).


Vitrine 6
1. Marmorstatue eines sitzenden Philosophen oder Dichters. Er hält ein volumen in seiner Linken.
2. Fragment eines Vorratsgefässes aus grauem Ton, worauf in kursiven Schriftzeichen eine Inschrift eingeritzt ist:
....icco immallobrocus, deren Bedeutung bisher nicht geklärt ist.
3. Bemalter Wandverputz mit eingeritzter Majuskelinschrift.
4. Amphorenhals mit aufgemalter Inschrift (1), die den Inhalt der Amphore angibt:
Excel(lens)/flos...
Ausgezeichnete Blume …
Gemeint ist die Qualität des garum, eine Sauce, die aus in Salz eingelegten Fischstückchen gewonnen wird. 1. Jh. n. Chr.
5. Amphorenhals mit aufgemalter Inschrift, die neben dem Fassungsvermögen (LXX, wohl 70 römische Pfund, die ca. 32,8 Litern entsprechen) auch den Händlernamen im Genitiv angibt: Felicionis (Felicio). 2. Jh. n. Chr.
6. Fragmente eines Kruges mit Graffito in Kapitalschrift
(2):
LAGO(NA) NICOMIIDIIS QUI ILLA IIMIIRIT
Der Weinkrug des Nikomedes, der ihn wohlverdient.
Zu beachten ist die Verwendung zweier senkrechter Balken zur Bezeichnung des E, eine im ehemals keltischen Raum häufige Schreibweise. Der Name Nicomedes ist griechischer Herkunft, es handelt sich wahrscheinlich um einen Sklaven.
7. Becher mit Graffito in Kapitalkursive: SIIXTVS (Sextus) Der Buchstabe E besteht aus zwei Längsbalken, eine einheimische Schreibweise dieses Buchstabens im an und für sich typisch lateinischen Namen. 2. Jh. n. Chr.
8. In Aventicum hergestellter Mörser (Reibschale) mit dem Stempel des Töpfers Ruscus.
2. Jh. n. Chr.
9. Tellerfragment aus Aventicum mit dem Stempel des Töpfers Cinced. Zu beachten ist die Verwendung des D mit horizontalem Querstrich, ein charakteristisches Zeichen in den überaus seltenen keltischen Inschriften.
Zweite Hälfte 1. Jh. n. Chr.
10. Tintenfass aus Glas (3).
11. Tintenfass aus Ton.
12-16. Bronzene Siegelkapseln (4).
17. Bronzering mit Gemme mit der Darstellung eines Delphins.
18. Nachbildung einer hölzernen, mit Wachs überzogenen Schreibtafel.
19-21. Stili (Schreibgriffel) aus Eisen.


           
 
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