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Die Anfänge von Aventicum
(Vitrinen 1-2)

Der Name Aventicum ist vom Namen der einheimischen keltischen Wassergottheit Aventia abgeleitet, die wohl Schutzgöttin der römischen Stadt war (Vitrine 2).

Die Gegend von Aventicum war schon in früheren Zeiten besiedelt. Der leichte Zugang zu den Wasserwegen - Flüsse und Seen - war ein bedeutender Faktor für die Entstehung von Gewerbe und Handel. Man fand zahlreiche Siedlungsspuren inner- und ausserhalb des römischen Stadtgebietes aus der Zeit vor der römischen Eroberung (aus der späten Bronze- und der Eisenzeit).


Im Jahr 58 v. Chr. verliessen die Helvetier, die sich im oppidum auf dem Mont Vully
(1) zusammengefunden hatten, das schweizerische Mittelland und zogen in Richtung Südwestgallien. In Bibracte (heute Mont Beuvray im Burgund) unterlagen sie dem Heer von Iulius Caesar und sahen sich gezwungen heimzukehren. Es ist anzunehmen, dass sich ein Teil der Helvetier auf dem Hügel Bois-de-Châtel südlich von Avenches nieder liess. Möglicherweise diente ihnen auch die Anhöhe von Avenches als Zufluchtsort. In die Zeit unmittelbar vor der ersten städtebaulichen Anlage, d. h. ins 1. Jh. v. Chr., datieren nur wenige Zeugnisse. Sie stammen aus religiösen Kontexten, aus Heiligtümern oder Gräbern (Vitrine 1, Nr. 1), die sich am Ostabhang des Hügels von Avenches und in der Flur Au Lavoëx befanden. Dieses frühe Material besteht aus einheimischen, keltischen Objekten: Fibeln, bemalte Keramik oder feine Grautonware sowie Münzen (Vitrine 1, Nr. 4-7; 9-12). Darunter findet man auch Belege für die Handelsbeziehungen mit Italien und Gallien (Vitrine 1, Nr. 2-3). Von besonderem Interesse ist der keltische Münzprägestempel (Vitrine 1, Nr. 8). Aus dem gesamten keltischen Raum sind nur um die dreissig Exemplare bekannt, darunter auch eines vom Mont Vully. Es handelt sich um eine Stempelform, in der die Vorderseite eines keltischen Denars geprägt wurde.

Aus den Anfängen von Aventicum, vom Ende des 1. Jh. v. Chr. oder vom Anfang des 1. Jh. n. Chr., stammt ein Brandgrab, das im Siedlungsbereich gefunden wurde (Vitrine 1, Nr. 14). Die Urne, eine kleine Keramikschale, enthielt die Aschenreste der Verstorbenen, darauf waren zwei Bronzefibeln deponiert. Die Münze Nr. 13 (Vitrine 1) datiert in dieselbe Zeitspanne. Anhand des im Boden erhaltenen Holzes
(2) war es verschiedentlich möglich, das Fälldatum der Bäume zu bestimmen, die für den Bau der ersten bekannten Gebäude von Aventicum verwendet wurden. Die Ergebnisse dieser dendrochronologischen Analysen (Datierung der Jahresringe eines Holzes) zeigen, dass ab dem Jahr 5 n. Chr. die Bauarbeiten für die Hafenanlagen begonnen wurden. Im Winter 6/7 n. Chr. wurden die Hölzer für die Errichtung der ältesten bisher zu Tage gebrachten Häuser geschlagen, die bereits ins rechtwinklig angelegte Strassensystem eingefügt wurden.

Vitrine 1
Die Funde Nr. 1-5 wurden im Bereich des Heiligtums von Derrière la Tour gefunden.
1. Tonurne mit verbrannten menschlichen Knochenresten.
Anfang 1. Jh. v. Chr.
2. Terra Sigillata-Teller aus Mittelitalien. Die Innenfläche trägt den Stempel des Töpfers L. Tetti Crito (3).
Ende 1. Jh. v. Chr.
3. Tonteller aus der Gegend von Lyon.
Ende 1. Jh. v. Chr.
4. Tontopf mit vertikaler Kammstrichverzierung.
1. Jh. v. Chr.
5. Tontopf oder -Flasche mit aufgemaltem Bänderdekor.
1. Jh. v. Chr.
6. Bronzefibel.
Ende 1. Jh. v. Chr. - Anfang 1. Jh. n. Chr.
7. Bronzefibel.
1. Jh. n. Chr.
8. Keltischer Münzprägestempel
(5).
9. Keltische Münze, Quinar des Vatico.
2. Hälfte 1. Jh. v. Chr.
10. Keltische Münze, Quinar des Caletedu.
2. Hälfte 1. Jh. v. Chr.
11. Keltische Münze, Quinar Typ "Büschel".
2. Hälfte 1. Jh. v. Chr.
12. Keltische Münze, Potin der Sequaner.
1. Jh. v. Chr.
13. Römische Münze, Quadrans des Germanus Indutilli L.
Nach 15 v. Chr.
14. Verbrannte Tonschale, signiert Atei, enthält winzige Fragmente verbrannter menschlicher Knochen, worauf zwei Bronzefibeln deponiert wurden.
Ende 1. Jh. v. Chr. - Anfang 1. Jh. n. Chr.

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Vitrine 2
Weihung für die Göttin Aventia
(4)
Deae / Aventiae / Cn(aeus) Iul(ius) /Marcellinus / Equester / d(e) s(ua) p(ecunia)
Der Göttin Aventia. Gnaeus Iulius Marcellinus aus der Bürgerabteilung Equester, (hat dieses Denkmal errichten lassen) auf seine Kosten.
Kalkstein. 1.-3. Jh. n. Chr.
Inschriftenkatalog Nr. 16.



           
 
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