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OstTor
Neuer Stadtzugang mit Rundsicht
Das Osttor wurde erbaut, um den Zugang zur Stadt über eine neue Verkehrsachse zu schützen; diese wurde wohl unter Vespasian festgelegt, als Aventicum den Status einer Kolonie erhielt. Das Osttor befindet sich in beherrschender Stellung; wer sich Aventicum von aussen nähert, überblickt von hier aus die ganze Stadt und das gesamte weite Gebiet, das von der Stadtmauer umschlossen ist. Diese Rundsicht ist besonders eindrucksvoll, und dies war wohl auch beabsichtigt. Der Zugang zu Aventicum von Osten her wurde von der alten Strassenverbindung in der Ebene wegverlegt; dort gibt es nur ein kleineres Tor, das sog. Nordosttor. Das neue, höher gelegene Trassee ist durch die Hin- und Her-Bewegungen des Flusses Chandon weniger gefährdet. In der Ferne ist das korrespondierende Westtor wahrzunehmen. Beide Tore sind die Endpunkte einer Durchgangsstrasse, die sich in mehrere Wege verzweigt; einer dieser Wege führt ins Stadtzentrum mit seinen regelmässig angelegten Wohnquartieren und mit dem Forum, ein anderer Weg umgeht das Stadtzentrum und mündet direkt in den westlich gelegenen kultischen Bezirk, wo sich bald der Cigognier-Tempel und das Theater erheben werden.
Erst das Tor, dann die Stadtmauer
Anscheinend wurde das Osttor vor den daran anschliessenden Abschnitten der Stadtmauer erbaut; der Durchgangsverkehr sollte in eine neue Richtung gelenkt werden, und dies vom Beginn einer sehr wichtigen Periode der Stadtentwicklung an, nämlich in den Jahren nach 70 n.Chr.
Rekonstruktion nach einem Vergleich mit einem Stadttor in Autun (F)
Vom Osttor waren fast nur die Grundmauern erhalten geblieben. Der Archäologe Louis Bosset baute es bis zu einer Höhe von 2 m wieder auf. Er legte auch eine Rekonstruktionszeichnung der stadtauswärts gerichteten Fassade vor, die von den – älteren – Stadttoren von Aosta, Turin und vor allem Autun (die von Viollet-le-Duc restaurierte Porte Saint-André) inspiriert ist.
Der Grundriss des Ganzen wird durch die wieder entdeckten Überreste bestimmt. Dieses monumentale Tor ist 28 m breit und 26 m tief; in seinem Zentrum befindet sich ein kreisrunde Innenhof mit einem Durchmesser von 11,6 m, der durch zwei Wagendurchlässe erschlossen wird, die im Originalzustand 3 m breit und sowohl stadteinwärts wie stadtauswärts überwölbt waren. Zwei Fussgängercouloirs (2,1 m breit) flankieren beide Seiten des Innenhofs und tragen wohl eine Galerie, die um den ganzen Hof herumläuft und dessen Kontrolle ermöglicht. Zwei weitere Durchgänge sind nur von der Innenseite der Stadtmauer her zugänglich; sie enden in je einem polygonal gebauten Turm, die der Stadtmauer vorgeblendet sind und die Zugänge zum Torwerk von aussen her schützen; sie erschliessen die Galerie des Innenhofs und den Wehrgang der anschliessenden Kurtinen der Stadtmauer.
Kleinquaderwerk und architektonische Ordnung
Mit einer Kombination von kleinen Bausteinen aus gelbem, vielleicht verputztem Kalkstein und grossen Sandsteinblöcken, die als Verblendung an der Basis der polygonalen Türme, als Einfassung der Toröffnungen und als Schwellen der Tordurchlässe eingesetzt wurden, wies die Fassade des Osttors mindestens zwei übereinander liegende architektonische Ordnung auf; davon zeugen die Reste zweier Typen von Gebälk, Kapitellfragmente und weitere Elemente aus weichem Kalkstein oder aus weissem Jura-Felsgestein. Mehrere Relieffragmente aus Sandstein sind erhalten, die, ebenso wie einige Buchstaben einer Inschrift, die Bedeutung des Monuments als politisches Symbol hervorhoben.
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