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römische Theater

Ein gallo-römisches Theater

Das in der Flur En Selley erhaltene Monument steht von der Anordnung der Zuschauerränge und der Zugänge zu ihnen dem klassischen römischen Theater nahe, weist aber auch einige typische Charakterzüge der gallo-römischen Abwandlung eines solchen Theaters auf: Sowohl  die Orchestra als auch die Cavea (Zuschauerränge) sind überhalbkreisförmig; das flächenmässig bescheidene Bühnengebäude ist sekundär aussen an die geradlinigen Fassadenmauer angebaut, und die eigentliche Bühne besteht aus einer schlichten hölzernen Plattform, welche in die Orchestra hinein ragt.In diesem Theater wurden wohl Komödien und Tragödien des klassischen Repertoires in vereinfachter Inszenierung aufgeführt, ebenso Possen oder Pantomimen. Aber das Vorhandensein einer Kultnische am Fuss der Zuschauerränge, Hinweise auf einen Altar in der Orchestra sowie die Gesamtausrichtung des Gebäudes auf der Achse des Cigognier-Heiligtums legen die Vermutung nahe, dass das Bauwerk auch eine politisch-religiöse Funktion hatte; vielleicht fanden hier «Weihespiele» im Rahmen von Feierlichkeiten des Kaiserkults statt .

Datum und Entwicklung
Als wichtiges Element im monumentalen städtebaulichen Programm der Kolonie wird das Theater zweifellos am Beginn des 2. Jh. in einem Gebiet errichtet, in dem sich zuvor verstreute Wohnbauten befanden. Das Theater wird mehrfach umgebaut und wieder instand gestellt, ohne dass sich darüber Genaueres sagen liesse. Im letzten Drittel des 3. Jh. wird es schliesslich zu einem befestigten Refugium umgebaut, das von einem Verteidigungsgraben umgeben ist und als solches bis in die Mitte des 4. Jh. genutzt wird .

Ausmasse und Fassungsvermögen
Gesamtbreite: 106.25 m; Gesamttiefe: 66.4 m: Orchestra-Durchmesser 17.75 m; Orchestra-Tiefe: 21 m. Fassungsvermögen: ca. 12'000 Plätze, verteilt über rund 50 Sitzreihen; diese erreichte man via 11 vomitoria (überwölbte Zugänge), welche wiederum zwei halbrunde Umgänge (praecinctiones) erschlossen; Am Fuss der Cavea befand sich ein weiterer Umgang sowie eine 1,6 m breite Prohedrie für die Sitze der Honoratioren.

Lage des Theaters in einem politisch-kultischen Bezirk
Mit dem Theater wird ein weiträumiger freier Platz südwärts abgeschlossen, dessen nördliche, Begrenzung das auf der gleichen Achse liegende Cigognier-Heiligtum bildet. Im Westen wird der Platz durch zwei weitere, jedoch später erbaute gallo-römische Tempel und im Osten möglicherweise durch weitere Bauten eingerahmt. Im gross angelegten Urbanisierungsprojekt, mit dem der in der Ebene westlich des Rasters der Wohnquartiere gelegene kultische Bezirk gestaltet wurde, nimmt das Theater eine beherrschende Stellung ein.

Bautechniken
Das Theater lehnt sich mit seinem Unterbau an die flach ansteigende Hangflanke des in Richtung  Donatyre ansteigenden Hügels; für die unteren Teile des Gebäudes wurden entsprechend Terrassierungsarbeiten und Kleinquaderfundamente aus Sandstein miteinander kombiniert. Bei den höher liegenden Gebäudeteilen handelte es sich um freistehende Konstruktionen aus Sandstein- und Kalkstein-Kleinquadermauerwerk und punktuellen Werkstein-Elementen aus Muschelkalkstein. Mindestens ein Teil der Zuschauerränge besteht aus Muschelkalkstein, wobei Holz als Baumaterial für die obersten Ränge nicht auszuschliessen ist.
           
 
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